Nachfolgend die ausführlichen Schilderungen unserer flotten MRRC-Langstrecklerin Katharina Weimer, die erfolgreich am Frankfurt-Marathon teilgenommen hat.

Nachdem ich in 2014 ein DNF in München eingefahren habe und 2015 meine Meldung für Frankfurt aufgrund eines Ermüdungsbruches zurückziehen musste (beide Male war ich für die Deutsche Meisterschaft im Marathon gemeldet), sollte 2016 alles gut werden. Mein Training für eine Zielzeit von 3:10 lief gut, ich fühlte mich stark und fit. 16 Tage vor dem Marathon lief ich mir dann beim letzten harten Training, einem Tempowechsellauf über 14km, die rechte Wade hart. Ein mir bekanntes Problem, was ich mit Hilfe von Physio, dehnen und "düseln" (Unterwassermassage) bis zum Marathon wieder halbwegs in den Griff bekam. Freitags, am 28. Oktober, war dann die Anreise, Zimmer hatte ich im Marriott direkt neben Start/Ziel gebucht. Beim Abholen der Startunterlagen fing ich so langsam an, nervös zu werden und mich zu freuen! Die harten Trainingkilometer sollten sich endlich auszahlen! Ganz hibbelig spazierte ich ein wenig über die Marathonmesse, aber dank eines beruflichen Termins am Nachmittag/Abend konnte ich mir dort nicht die Beine in den Bauch stehen.

Samstag in der Früh kam dann noch eine lockere Runde happy Jogging, die Wade fühlte sich gut an und ich fühlte mich generell bombastisch! Gut getapered, mit lockeren Beinen und gesunder Anspannung. Das hielt sich bis zum Renntag. Morgens früh ging es zu einem  kleinen Shake Out Lauf, danach leichtes Frühstück (ein Nutella-Brötchen - erprobt im Trainingslager, macht glücklich und gibt Energie ) und ab zum Start. Nach dem Einlaufen habe ich mich kurz vor knapp in meinen Startblock gestellt, da wars schon bumsvoll und ich hatte Mühe, meinen Freund an der Absperrung zu finden, um ihm meine Wärmeklamotten zu geben.

Dann war auch schon der Start! Bei bestem Wetter, Sonnenschein und ca. 8-9 Grad, gings auf die Strecke. Zunächst an vielen Zuschauern vorbei kilometerlang durch die Innenstadt, ich konnte mich trotz vollen Kurses sehr gut bei meiner geplanten 4:30er Pace einpendeln. Ich habe keine Ahnung, wo wir überall langliefen, im Rennen bin ich wie im Tunnel. Da lauf ich sogar durch Schlösser und bekomme nichts davon mit.. Überall Zuschauer, Anfeuerungsrufe und ich rollte gut durch "Mainhattan", haargenau in der Zeit. Aber ich habe den Wermutstropfen schon gespürt - die rechte Wade fühlte sich von Beginn an anders an als die andere. Falsche Schuhwahl? Ich hatte dieselben Schuhe an, in denen ich sie mir hartgelaufen hatte.. Egal, weiter im Takt. Es ging über die Brücke ans andere Mainufer, immer wurde ich angefeuert und mein Freund hatte sich ein Rad gemietet und war immer wieder an der Strecke.

Bei KM18 dann die Katastrophe. In der Straße waren Tram-Schienen eingelassen, der Boden war sehr uneben und es fuhr mit mit einem starken Stechen durch die Wade, bis in den Allerwertesten hoch. Die Wade war sofort knallhart, ich hatte rechts keinen Abdruck mehr und dachte, ich müsste stehenbleiben und aufgeben.. Bitte nicht, nicht nach den letzten zwei Jahren, nach den harten Wochen des Trainings, nicht in Frankfurt, nicht wieder bei Meisterschaften.. Und mit 24km vor mir und schmerzendem rechten Bein, das würde kein Spaß werden. Es graute mir vor einem DNF, aber noch mehr davor, unter Schmerzen noch 2,5 Stunden zu laufen und dann mit einer 3:45 oder ähnlich ins Ziel zu kommen - das würde meinem Training und meinen Unterdistanzen nicht gerecht werden. Das Kopfkino drehte sich munter weiter über die nächsten Kilometer, der Halbmarathon kam und ging und irgendwann merkte ich, dass ich zwar etwas langsamer geworden bin, aber dass ich noch relativ flott laufen konnte, ca. 4:36er Schnitt. Da habe ich ca. bei KM25 entschieden, das Kopfkino auszustellen und einfach zu laufen - so schnell ich konnte, so weit ich konnte! Die KM zogen sich, irgendwann wurde es schwer, das linke Bein musste die Schwäche des rechten Beins komplett auffangen und hatte so langsam auch keine Lust mehr auf mich. Bei KM40 kam dann das gefürchtete Kopfsteinpflaster - schon bei gesunden Beinen auf den letzten KM eines Marathons kein Spaß. Mein rechtes Bein hats  nach zwei Schritten völlig zermatscht und ich musste stehenbleiben. Alles krampfte, die Wade löste sich nicht mehr, ich konnte rechts nicht mehr abrollen. Trabte wieder an, blieb nochmal stehen. Aber ich kann doch nicht zwei KM vor dem Ziel stehenbleiben und aufgeben! Also bin ich mühsam im 5er Schnitt ins Ziel gehoppelhumpelt, das rechte Bein ließ sich kaum noch beugen.. Die Festhalle kam ins Blickfeld, links abbiegen, durch das Tor und über den roten Teppich ins Ziel! Selten habe ich mich so gefreut, stehen bleiben zu dürfen. Und selten war ich soo glücklich, über eine Ziellinie zu laufen!! Über die Helferin, die mir die Treppenstufen runter in die Zielverpflegung half, hätte ich beinah Tränen der Freude vergossen. Im Zielbereich lachte die Sonne auf uns Marathonis herunter, ich humpelte durch die glücklichen Läufer, traf Bekannte, konnte trinken und mich so langsam richtig über meine Leistung freuen - ich habe trotz meiner Wade eine granatenstarke 3:15,25 ins Ziel gebracht! Eine Verbesserung meiner Bestzeit um 7 Minuten, mein B-Ziel (3:15) erreicht und einfach nur happy! Mit dümmlichem Grinsen verließ ich die Zielverpflegung, am Ausgang nahm mich mein Freund in Empfang, der das ganze Rennen mit mir gelitten hat, mich unterstützt und angefeuert hat, mir Kraft zugerufen hat und fast ebenso stolz ist auf die Zeit wie ich.