Warum in der Staffel antreten, wenn man auch den ganzen Wettkampf haben kann? das haben uns im Vorfeld viele gefragt,

 

als wir uns vor einem Jahr als MRRC-Staffel 1 und 2 beim beliebten Langdistanz-Klassiker anmeldeten. Nun, die Gründe sind vielfältig - etwa mal dabei zu sein, obwohl man sich die komplette Distanz nicht zutraut, seine persönliche Schwäche gezielt angreifen, oder mit Freunden ein gemeinsames sportliches Ziel verfolgen, die gar keine Triathleten sind. Ich hatte mich im Vorjahr über die Rother Staffelbörse kurzfristig Leuten angeschlossen, die ich überhaupt nicht kannte, und beschloss damals: in 2010 will ich wieder dort sein! und diesmal möchte ich in einer MRRC-Staffel "von Anfang an" teilnehmen. Es fanden sich rasch sogar gleich zwei staffelwillige Mannschaften zusammen, und so fieberten wir im Juli 2009 pünktlich an unseren Rechnern auf die Anmeldungsfreigabe. Auch für Staffeln muss man sich durch den aberwitzigen Run auf Startplätze kämpfen, bei dem innert 48 Stunden alle Startplätze vergeben sind, obwohl keiner garantieren kann, dass er im folgenden Jahr überhaupt an den Start gehen kann….. tja, das gehört wohl inzwischen zum Spiel.

Da bei einer Staffel nicht nur einer, sondern drei Leute startklar werden müssen, ergab sich als erste Herausforderung, dass im Frühjahr ein Läufer und ein Radler neu besetzt werden mussten (für Staffeln übrigens noch eine relativ gute Ratio, die Leute im Meldebüro in Roth sind geduldige Menschen). Auch wir vier, die dabei blieben, hatten mit einigen gesundheitlichen und beruflichen Trainingsbremsen zu kämpfen, aber schließlich waren wir 6 Wochen vor dem Wettkampf miteinander in regelmäßigem Kontakt, trainierten teilweise miteinander und freuten uns gemeinsam auf Roth, so, wie wir uns das eigentlich erhofft hatten.

In Roth angekommen konnten sich Radler und Läufer bei der Bullenhitze der vergangenen Woche zunächst nur mühsam Begeisterung abringen, während den Schwimmerinnen das Wetter egal sein konnte. Petrus bemühte sich als Gleichstellungsbeauftragter und senkte die Temperaturen über Nacht, allerdings hätte es noch ein bißchen deutlicher sein dürfen. (Deutlich verbesserungsfähig war übrigens auch so ziemlich alles an unserer Übernachtung, von B wie "Bedienung, überforderte", über F wie "Frühstück, gab´s Sonntags noch nie vor 7 Uhr", bis K wie "Katzenmusik, laute nächtliche". Schade, ich habe in der Vergangenheit schon wirklich sehr nett in anderen Landgasthöfen in der Region Roth übernachtet!)

Nach einem ruhigen Schwimmstart mit der letzten Startwelle war der Schwimmteil gefühlt im Nullkommanichts zuende. Während unsere Radler den zeitlich größten Teil des Rennens bestritten, war logistisch für die anderen ab jetzt die Herausforderung, die Läufer aus Hitze und Hektik herauszuhalten, möglichst viel vom laufenden Wettkampf mitzubekommen und sich nicht total auf dem weitläufigen Wettkampfareal aus den Augen zu verlieren. Wir haben uns dann doch mehrfach verloren und wieder gefunden, aber bei dem guten Wetter, den vielen Fressbuden und gutgelaunten Zuschauern ging die Zeit herum wie nichts. Meine elaborierten Voraus-Berechnungen, wann denn nun wer wo erscheinen müsste, wurden von der Realität rasch über den Haufen geworfen, aber wenn man alles im Vorhinein berechnen könnte, bräuchte man gar nicht mehr hinzufahren! Das merkten auch die Profis, nur Chrissie Wellingtons Sieg (und vielleicht Normann Stadlers Ausstieg) waren vorherzusehen, alles andere blieb spannend. Wir Jedermännchen haben es dann trotzdem irgendwie hinbekommen, als jeweilige Staffel gemeinsam ins Ziel einzulaufen, und so nahmen auch unser Tag und unser Rennen ein wirklich schönes Ende.

Unsere Ergebnisse:

MRRC 1 (Cuenca/Kanne/Neuberger): 1:13 - 5:02 - 3.25    Gesamt: 9:46/Platz 23 mixed

MRRC 2 (Heiliger/Fritz/Goldmann): 1:19 - 5:36 - 3: 26      Gesamt: 10:26/Platz 74 mixed

(übrigens: alle MRRC-2-Starter waren Ersttäter auf der jeweiligen Langdistanz. Gratulation, Respekt!)

Mein Fazit: Mir gefällt es super in Roth. Die Wellenstarts nehmen viel von dem Schrecken der Wasser-Massenprügelei der ersten 500 m, in der ich sonst mit meiner Durchschnittsgeschwindigkeit unweigerlich mit drinstecke. (Ich will meine Fähigkeiten im Schwimmen testen, nicht die im Kickboxen!) Auch im Hilpoltsteiner Kanal kann Geradeausschwimmen noch eine Herausforderung sein, aber wenn man irgendwo überflüssige Meter spart, dann hier. Ich hoffe, dass sich weiterhin nicht nur für Roth wieder MRRC-Staffeln formieren, denn so können auch Läufer und Triathleten was gemeinsam machen und man kann seine Schwimm- und Zeitfahrfertigkeiten mal isoliert testen. Ich habe da noch eine Rechnung mit der Radstrecke offen und freue mich schon, die mal zu begleichen...

Ein Appell zum Schluss: Unsere zurückgetretenen Staffelteilnehmerinnen haben sich fairerweise rechtzeitig gemeldet und selbst nach Ersatz umgeschaut. Das war bei anderen Staffeln nicht immer der Fall, durch Unfälle, aber auch durch Lust- und Rücksichtslosigkeit standen einige wenige Tage vor dem Wettkampf nach monatelangem Training unerwartet alleine im Regen. Das ist schade und unsportlich. Bitte helft alle mit, wo Staffelsportler gesucht werden! Und zeigt vielleicht mal etwas mehr Mut zur Lücke, denn wer immer nur macht, was er kann, wird immer der bleiben, der er ist…

die glücklichen Finisher (Janpeter hat sich freundlicherweise bereit erklärt, als Platzhalter für Stephan im Bild zu erscheinen)