Spirituelles Laufen auf dem Kirchentag in Dresden
von Markus Weckler

Im Programm des evangelischen Kirchentags in Dresden entdeckte ich eine außergewöhnliche Veranstaltung:

Frank Hofmann, Chefredakteur der Zeitung "Runners World", ist durch das Laufen zum Glauben an Gott gekommen. Er legte in einem kleinen Vortrag biblische Bezüge zum Thema Laufen dar.

Laßt uns laufen mit Geduld (Hebr. 12,1) - Spiritueller Lauftreff mit Impuls und gemeinsamer Laufrunde.

Im Hotel Hilton fanden sich am frühen Abend des 2. Juni etwa 40 laufbegeisterte Kirchentags-besucherinnen und Kirchentagsbesucher ein. Netterweise wurden seitens des Hotels Schließfächer zur Verfügung gestellt, auch die Möglichkeit des anschließenden Duschens war gegeben. 

Frank Hofmann, Chefredakteur der Zeitung "Runners World", ist durch das Laufen zum Glauben an Gott gekommen. Er legte in einem kleinen Vortrag biblische Bezüge zum Thema Laufen dar. So benutzt der Apostel Paulus das Laufen als Bild für das Ziel der göttlichen Berufung: "... und ich richte meinen Lauf auf das Ziel aus, um den Siegespreis zu erringen ..." Philipper 3,13

Dann gab Frank Hofmann Anregungen, wie ein Lauf spirituell, das heißt betend und in Zwiesprache mit Gott, gestaltet werden kann.

Um das Gehörte gleich praktisch umzusetzen, starteten wir dann zu einem Lauf von ca. 5 Kilometer Länge am Elbufer. Doch das Einüben einer spirituellen Haltung erwies sich in diesem Fall als ein schwieriges, wenn nicht gar unmögliches Unterfangen.

Noch nie hatte ich bei einem Lauf - auch nicht bei einem Wettkampf - eine derartig rege Interaktion zwischen Läufern und Passanten erlebt. Neben den Kirchentagsbesuchern waren am Himmelfahrts-tag auch Heerscharen von Vatertagsausflüglern unterwegs. Es gab kaum einen Streckenabschnitt, in dem wir nicht irgendwelche Kommentare von  enthusiastischen Anfeuerern ("Schneller, schneller!"), besorgten Bremsern ("Macht langsam!"), schäferhundhaltenden Witzbolden ("Fass, Diego, fass!") und erschrockenen Vatertagsgruppen ("Hilfe, die Christen kommen!") zu Gehör bekamen. 

Uns wurden Fußbälle vor die Beine geworfen, um unsere Geschicklichkeit am Ball auszutesten - dabei versagten wir jedoch kläglich. Eine Gruppe Boule-Spieler stellte sich schützend vor ihre Kugeln, als sich unsere Laufhorde ihrem auf einem Schotterweg eingerichteten Spielfeld näherte. Auch wurden wir immer wieder über alle Maßen ermutigt ("Ihr schafft es! Ich weiß das! Nur noch 12 Kilometer! Wenn Ihr zusammenhaltet, dann schafft Ihr das!"). Die Anerkennung, die uns zuteil wurde, war so immens, dass wir aus lauter Überschwang die "La Ola"-Welle forderten, als wir an der für den Eröffnungsgottesdienst aufgebauten Tribüne vorbeiliefen.

Einen weiterer Bericht zu diesem Lauf von Frank Hofmann ist unter http://spirituelles-laufen.de/spiritueller-laufblog/ zu finden. Außerdem eine Leseprobe zu seinem gerade erschienenen Buch "Der Marathon zu Gott".

Ganz unabhängig von dieser sehr außergewöhnlichen Kirchentagsveranstaltung erfüllte ich mir einen kleinen verrückten Traum. Zehn Minuten vor dem Beginn des Abschlußgottesdienstes am Sonntag bin ich vom Dresdener Hauptbahnhof aus zu einem langen Lauf gestartet. Ich passierte die Kreuzkirche und die Frauenkirche und konnte das mächtige Einläuten der Glocken zum Gottesdienst haut- und
ohrennah erfahren - gigantisch! Pünktlich zu Beginn des Gottesdienstes war ich am Elbufer. Dann bin ich am Nordufer der Elbe bis Pirna und so lange am Südufer zurück gelaufen, bis ich aus Zeitgründen abbrechen mußte. Ich habe dabei das Gottesgeschenk der Dankbarkeit eingeübt. Danke, Jesus, für diesen tollen Kirchentag! Danke, Jesus, für die Sonne! Danke, Jesus, für den Wind! Denn ohne den Wind hätte bei der großen Hitze schwerlich 34 Kilometer schaffen können.