Ein Artikel von Sigrid  - Lieber Leser,

Wenn  man nicht daran gewöhnt ist lange Läufe zu machen, erscheint es unmöglich an einem Tag rund um den Chiemsee (54 km) zu laufen.

Wie es mir und mit mir eine gutgelaunte Gruppe gelungen ist, erzähle ich euch gerne.

Es war an einem Samstag, den 27. August. Die ganze Woche war das Wettere traumhaft gewesen, richtig Hochsommer. In der Nacht von Freitag auf Samstag zog aber ein Regenwölckchen rüber.

Um halb 7 dem Morgen traf ich Rainer und Johan am Ostbahnhof. Vielleicht hatte ich ein bisschen die Laune, die man morgens haben kann wenn es regnet, kalt ist und den Wecker zu früh geklingelt hat.

Viel entscheidender aber, für einen gelungenen Tag waren nicht die Stunden Schlaf und das Anzahl Regentropfen, sondern die gute Begleitung.

Die gute Begleitung bestand aus den Freunden des MRRC: Rainer, Johan, Maria und ihr Man Helmut. Sonntag kam Karoline noch dazu. Am Treffpunkt begrüßten uns die anderen Teilnehmer.

Wir bekamen ein Überlebungspaket mit  u.a. ein tolles hellgrünes T-Shirt ‚ Ultramarathon am Chiemsee . Das Beste, noch nie gesehen Überlebungspaket stand aber draußen auf uns zu warten, einen kleinen gelben Anhänger, beschriftet sowie unsere T-Shirts. Auf dem ersten Blick nichts außergewöhnliches, aber desto erstaunlicher nach dem ersten 10km laufen.

Wenige Minuten (wie viel, ich habe keine Ahnung) nach dem wir losgelaufen waren, bekamen wir erst den Chiemsee im Blick, in blaugraue Farben sowie den Himmel und ein bisschen unruhig durch einen leichten Wind. Später, nach noch einige Minuten, stand da dann das gelbe Überlebungspaket mit was zum trinken und was zum essen, Süß, herzhaft, salzig, flüssig und die netteste Bedienung die man sich vorstellen kann. Was dir, lieber Leser, dabei einfällt, genau das hättest du da gefunden. Und eine Decke wurde über den Schultern gelegt bei den Leuten die leicht auszukühlen. Es wurde ein Foto gemacht von der Gruppe, auf einen kleinen Steg, den Chiemsee im Hintergrund.

Wir befanden uns wieder im lockeres Lauftempo und entspanntes Ratschtempo. Die angezogenen Jacken wurden wieder um den Bauch gebunden und nach wenigen Minuten, wenn da wieder das Überlebungspaket auftauchte wurden sie wieder angezogen. Es zog ein Regenwölckchen rüber und wir packten uns gut ein. Ich bekam ein Stück Plastik über den Kopf gezogen von Dietmar, der da er jetzt seinen Regenschutz  verschenkt hatte, ein Regenschirm öffnete.

Der Anblick muss bestimmt toll gewesen sein: laufende Plastiktüten, ein hüpfendes Regenschirm, ein ‚platsch, platsch‘ Geräusch von Schuhen und Solen und ständiges Getratsch. Aus welchem Hause haben bestimmt Leute erstaunt geschaut bei dem Anblick dieser Gruppe und eines laufendes Regenschirms, quasi Barfuß.

Den See hielten wir auf unsere linke Seite, den Boden unter den Füssen. Das Wetter wurde auch immer ein bisschen freundlicher. Und das schöne an diese Wetterumstände war die Ruhe und die Stille von der Natur.

Ich lief an dem Tag meinen ersten Marathon, wovon ich die letzte 2 km spaziert habe. Danach habe ich mich im Auto gesetzt und bei der letzte Pflegestation die Getränke für den Tapferen verteilen helfen.

In der Ferne sahen wir einen blauen Himmel in unsere Richtung ziehen. Und wir wussten dass morgen den Tag mindestens genau so schön sein würde.

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Bericht 2. Tag Chiemseelauf

von Karolin Pichler 

Beim gemütlichen Zusammensitzen im Forsthaus abends in Ruhpolding machten sich die schweren Glieder noch einmal bemerkbar. Doch die Freude über den gemeisterten Tag zeigte sich alsbald in jedem Gesicht und Ausrufen wie: „Gut, sich amal wieder so richtig zu spürn“, „Hätt’ i nie gedacht, das i so weit laufen kann“.

Gute Laune, ein weiches Bett und das üppige Frühstück am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein beflügelte viele, noch einmal die Tour anzutreten, laufend oder auf dem Radl.

Und es zahlte sich aus: Tag zwei belohnte den Trek in leuchtend grünen Shirts dreifach mit traumhafter Sicht, angenehmen Temperaturen und den fröhlichsten Pausen, die man sich als Läufer wünschen kann. Die Strecke – diesmal in Gegenrichtung – wartete mit genüsslichen Stopps an dem uns verlässlich ca. alle 7 Kilometer erwartenden „Planwagen“ auf (unsere fahrende Ess- und Unterhaltungskiste), dem Genuss der herrlichen Natur (z.B. an den Vogelbeobachtungsstellen), und ab und zu durfte für ein Foto posiert werden.

Ach ja, und da war dann noch das Laufen: Nach einigen Stunden auf den Beinen wurde der gemütliche Laufschritt zum rhythmischen Trott, als wäre es das Natürlichste überhaupt. „Für mich war die tollste Erfahrung die, dass ich irgendwann gar nicht mehr so ans Laufen gedacht hab’, es fühlte sich so normal an“, freut sich eine frisch gebackene Ultra-Läuferin, derer es am Ende der beiden Tage so einige gab.